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Im früh- und hochmittelalterlichen Europa war Pergament das bei weitem wichtigste Material für die Verfassung von Urkunden und Büchern, worin sich die mittelalterliche Buchkultur wesentlich von der Antike unterschied, die an erster Stelle Papyrus verwendet hatte. Der nach der kleinasiatischen Stadt Pergamon benannte Schreibstoff ist die getrocknete, ungegerbte Haut von Schafen, Ziegen oder Kälbern. Die Häute werden in Kalkwasser, dem sogenannten Kalkäscher, gewaschen und mehrere Wochen eingelegt, wodurch das in der Haut vorhandene Fett verseift wird und die Haarwurzeln sich lösen. Dann kommt die Haut zum Enthaaren und Entfleischen auf den Gerberbaum. Danach wird die Haut gewaschen, im Schlichtrahmen zum Trocknen aufgespannt und mit einem halbmondförmigen Messer (Lunellum) sorgfältig glatt geschabt. Abschließend wird sie mit einem Bimsstein abgeschliffen und mit Kreide geweißt. Pergament wurde bis Ende des Mittelalters benutzt und dann langsam durch das in der Herstellung wesentlich billigere Papier verdrängt. Obwohl in Spanien Papier schon im 12. Jahrhundert verbreitet war, wurde es in Italien erst im 13. und in Deutschland erst im 14. Jahrhundert allgemein gebräuchlich. Der Vorteil des Pergamentes gegenüber anderen Stoffen liegt vor allem in seiner langen Haltbarkeit. Zudem kann es mehrfach verwendet werden, indem man alte Schriften mittels eines Bimssteines oder eines Federmessers abschabt und dann das Pergament neu beschreiben kann. Dieses wiederverwendete Pergament nennt man Palimpsest. Doch nicht nur zum Beschreiben eignet sich diese dünn geschliffene Tierhaut. Noch heute werden viele Trommeln damit bespannt. Aufgrund ihrer Lichtdurchlässigkeit ist sie auch zum Bespannen von Fenstern oder Lampen geeignet. |