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Als Wanderarbeiter nach Holland

Die Hollandgänger im Osnabrücker Land waren überwiegend Heuerleute. Für sie war die Arbeitswanderung nach Holland neben der Bewirtschaftung ihres gepachteten kleinen landwirtschaftlichen Betriebes und anderer handwerklicher oder gewerblicher Tätigkeit dringend erforderlich, um sich und ihre Familie ernähren zu können. An dieser Stelle soll zusammengefaßt werden, was über die Hollandgänger aus der ursprünglich aus Andorf im Kirchspiel Menslage stammenden Familie Beckebrede bekannt ist.

Arbeitswanderung aus der Region Osnabrück nach Holland gab es bereits seit dem 16. Jahrhundert. Im Jahr 1608 beklagten sich eingesessene Bauern aus dem Osnabrücker Land über den Hollandgang und den dadurch entstandenen Arbeiskräftemangel. Entsprechende Regierungsverordnungen wurden erlassen, blieben aber letztlich ohne Erfolg. 1656 wurden die Hollandgänger von der Obrigkeit listenmäßig erfaßt , um sie zu Steuerzahlungen heranziehen zu können. In diesen Listen finden wir einen Lampe Beckebrede und einen Sohn von Ditrich Beckebrede aus Menslage. Diese Männer lebten und arbeiteten vermutlich nur vorübergehend in Holland, aber wir wissen nicht, ob jemand von ihnen doch dauerhaft dort blieb und eine Familie gründete.

Mehr als hundert Jahre später tauchten erneut Beckebrede in holländischen Quellen auf, und zwar als Seeleute. Unter dem 27. Februar 1766 weist die Musterrolle der „Hagen Boom“ einen Matrosen namens Jan Gerd Beckebrede aus. Die „Hagen Boom“ war ein Walfangschiff, unterwegs in der Davisstraße westlich von Grönland. Und am 26. Februar 1780 waren die Brüder Gerhard und Hermann Beckebrede als Walfänger auf See.

In dieser Zeit bildet sich eine zunehmende Spezialisierung der Wanderarbeit heraus, beispielsweise in der Seefahrt. So finden wir im 19. Jahrhundert aus verschiedenen Hollandgängerfamilien des Kirchspiels Menslage nun auch Kapitäne und Steuerleute (z.B. aus den Familien Bergfeld, Bodemann und Kernkamp).

Das Kirchenbuch Menslage beginnt mit dem Jahre 1694, also relativ spät. Die Beckebrede waren damals in diesem Kirchspiel schon ziemlich verbreitet. Über vier von ihnen, die im Kirchenbuch erwähnt werden und eindeutig Hollandgänger waren, soll hier berichtet werden:

 - Am 25.01.1711 wurde in Menslage Hermann Beckebreh (die Schreibweise des Namens im Kirchenbuch wechselt häufig) getauft. Seine Eltern waren Herman Beckebreh und Ancke von Ham, beide aus der Bauerschaft Hahlen. Er wurde Heuermann und heiratete am 30.04.1739 (jetzt unter der Schreibweise „Beckebrede“) Cathrine Adelheid B.. Als 5. Kind aus dieser Ehe wurde am 02.07.1749 der Sohn Hermann Heinrich getauft. Dieses Kind wurde von Hermann Beckebrede nicht als sein Sohn anerkannt. Auch die Verwandtschaft protestierte dagegen. Das Kind sei mit einem anderen Mann im Ehebruch gezeugt worden, während der nominelle Vater auf Hollandgang war. Das Kirchenbuch erwähnt außerdem einen Mordversuch auf Hermann Beckebrede, möglicherweise durch den einige Tage vorher aus dem Haus gewiesenen Ehebrecher. Die Angaben im Kirchenbuch, die einen Hinweis auf die Identität des Täters hätten geben können, sind unleserlich gemacht worden. Hermann Beckebrede überlebte jedenfalls den Überfall und hat sich offenbar auch mit seiner Frau wieder versöhnt; denn am 22.10.1754 wurde als 6. Kind der Sohn Hermann Gerdt getauft. Die umstrittene Ehelichkeit des Sohnes Hermann Heinrich hat später wohl keine Rolle mehr gespielt.

- Am 30.09.1739 wurde in Menslage Herman Berend Bekebrede getauft. Seine Eltern waren Johann Bernd Bekebrede und Helene Ringelmanns. Ihren genauen Wohnort kennen wir nicht. Offenbar handelt es sich auch hier um eine Heuerleute-Familie. Herman Berend ist der erste Beckebrede, der sich dauerhaft in Holland niedergelassen hat, denn er heiratete im November 1767 in Oostzaan Antje Harms Esselmann. Der Vater der Braut, Harmen Dirks Esselmann, entstammte auch einer im Kirchspiel Menslage verbreiteten Familie. Zumindest in der ersten Einwanderer-Generation blieb man „unter sich“ und wählte seine Ehepartner aus Familien der „alten Heimat“, ein für Migranten typisches Verhalten. Am 20.12.1767 wurde Harmen Janssohn Bekebrede (die niederländische Schreibweise seines Namens) nach „geleistetem Glaubensbekenntnis“  Mitglied der lutherischen Gemeinde Zaandam. Das Ehepaar Harmen und Antje Bekebrede hatte mehrere Kinder und zahlreiche Enkel. Man kann davon ausgehen, daß viele der heute in Holland lebenden Bekebrede Nachkommen dieses Ehepaares sind. Sie sind in vielen Orten wohnhaft und in den verschiedensten Berufen tätig. Die meisten von ihnen leben in Noord-Holland und in Gelderland.

- Zu den Seeleuten Beckebrede gehört Johann Diederich, der am 12.08.1753 als Sohn des Johann Beckebrede und der Anna Elsabein von Hahlen in Menslage getauft wurde. Über sein Schicksal berichtet das Menslager Kirchenbuch: „ 23.12.1787 verleutet, Johann Diederich, P. Johann Beckebrede, M. Anna Elsabein von Hahlen, alt 28 Jahr 3 Monath 14 Tage, dieser ist vor verschiedene Jahren zu Schiffe nach West-Indien als Bötger gefahren, 1781 im Nov. mit der Brustkrankheit befallen, woran er zu Ende dieses Monath zu St. Thomas verstorben und daselbst nach Christlichen Gebrauch ehrlich zur Erde bestattet worden.“. Sankt Thomas liegt östlich von Puerto Rico und gehört zu den Kleinen Antillen. Die Nachricht von seinem Tode ist also erst nach sechs Jahren nach Menslage gelangt und vom Pastor der Kirchengemeinde im Gottesdienst angesagt worden.

 - Als weiteres Beispiel für einen in Holland seßhaft gewordenen Beckebrede soll Johann Jacob genannt werden, am 06.10.1782 in Menslage als 4. Kind von Hermann Diedrich Beckebrede und Catharina Margarethe Stürwold getauft. Er hat sich am 13.07.1814 bei der Ev. – luth. Gemeinde zu Zaandam angemeldet. 1812 oder 1814 hat er die Witwe Maria Vischer geheiratet. Aus dieser Ehe sind keine Kinder hervorgegangen. Von Beruf war Johann Jacob Beckebrede „Slijkwerker“.

In den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts ging die Hollandgängerei aus verschiedenen Gründen erheblich zurück. Dadurch verschlechterte sich die finanzielle Situation der Heuerleute erheblich, weil sie auf einen Nebenerwerb angewiesen waren. Eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage erhofften sie sich von der Auswanderung in die Vereinigten Staaten von Amerika. So wanderten neben vielen anderen auch mehrere Beckebrede-Familien (Ehepaare mit ihren Kindern, aber auch Einzelpersonen) aus dem Kirchspiel Menslage über Bremen und New Orleans in den US-Bundesstaat Missouri aus.
Aber das ist eine andere Geschichte.

Literatur:
Birgit Nolte-Schuster, Jaap Vogel, Winfried Woesler: Zur Arbeit nach Holland Osnabrück 2001.
Walter D. Kamphoefner, Peter Marschalck, Birgit Nolte-Schuster:
Von Heuerleuten  und Farmern . Bramsche / Osnabrück 1999
Heimatverein Menslage: Menslager Hefte Nr. 5 und 9

 

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